Operationsspektrum / Behandlungsbeispiele

Endlich sind alle kinder- und neuroorthopädischen Operationen an der Uni-Klinik Kiel möglich!

  • Sehnen- oder Muskelverlängerungen an Armen und Beinen (z.B. bei spastischen Verkürzungen)
  • Hüftgelenksrekonstruktionen bei Ausrenkungen (Luxationen) in jedem Alter
  • Umstellungs- u. Korrekturoperationen an Armen und Beinen mit äußerem Festhalter (Fixateur externe und TSF / Taylor Spatial Frame)
  • Minimalinvasive Operationen zur Korrektur von X- und O-Beinen
  • Klumpfußoperationen (Ponseti und auch offen)
  • Zehen- und Fußkorrekturen in jedem Alter
  • Kniegelenksspiegelungen in jedem Alter
  • Karpaltunneloperationen
  • Zahlreiche nicht genannte orthopädische Operationen (bitte fragen Sie uns!)

 

Bitte schauen Sie sich auch die Behandlungsbeispiele (s.u.) an. Sie illustrieren eine Reihe der hier genannten Operationen.

Die folgenden Operationen können einzeln oder in Kombination durchgeführt werden. Der Umfang einer Operation hängt immer vom jeweiligen Patienten und dem Behandlungsziel ab. Die Ziele der Operation können Funktionsverbesserung (Sitzen, Stehen, Gehen, Greifen), Schmerzlinderung, Vorbeugung (Prophylaxe) von Beschwerden oder Verbesserung der Pflegefähigkeit sein. Es ist grundsätzlich ein Unterschied, ob eine Operation wegen angeborener Veränderungen oder aufgrund neurologischer Grunderkrankungen [s.o.] notwendig wird.

Klumpfußbehandlung nach Ponseti

Die Klumpfußbehandlung nach Ponseti ist eine einfache und sehr effektive Methode. Eine aufwendige Operation kann durch sie zumeist verhindert werden. Voraussetzung für eine gelungene Behandlung ist, dass der Arzt über eine entsprechende Ausbildung verfügen sollte. Nach einer ca. 6wöchigen Gipszeit, in der die speziellen Gipse wöchentlich gewechselt werden, folgt meist ein Schnitt zur Verlängerung der Achillessehne durch die Haut. Nach erneuter 3wöchiger Gipszeit wird eine spezielle Schiene angepasst.

Weitere Informationen finden Sie unter:

www.global-help.org/products/clubfoot_ponseti_management

Die Ergebnisse sind spektakulär gut und überzeugen auch jeden begeisterten Chirurgen!

Klumpfuß-Operationen

Bei untypischen oder sogenannten rebellischen Klumpfüßen muss früher oder später eine Operation erfolgen. Dazu stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, die je nach Ausprägung variiert zur Anwendung kommen.

Häufig muss eine Versetzung der Sehne des vorderen Schienbeinmuskels (M. tibialis anterior) durchgeführt werden. Dieser Muskel zieht den Fuß nach oben und kippt ihn nach innen (Kletterfußstellung, Supination). Ist diese kippende Funktion beim Klumpfuß zu stark, so sollte die Sehne weiter nach außen gesetzt werden.

Zur Nachbehandlung wird ein Unterschenkelkunststoffgips für 4-6 Wochen angelegt.

Weitere Informationen finden Sie unter:

www.global-help.org/products/clubfoot_ponseti_management


Hallux-valgus-Korrektur

Die Großzehe steht störend nach außen. Der Grund kann angeboren, neurologisch oder verschleißbedingt sein. Meistens ist diese Deformität mit einem Spreizfuß (abgeflachtes Quergewölbe) kombiniert. Es gibt sehr unterschiedliche Möglichkeiten der Korrektur. Bei Beschwerden muss häufig operiert werden. Von der Erfahrung des Arztes ist es abhängig, welches Operationsverfahren gewählt werden sollte. Die Nachbehandlung variiert von Fall zu Fall. Teilweise braucht der Patient nur einen Verband und einen Vorfußentlastungsschuh. Bei den komplizierteren Eingriffen kann ein Unterschenkelkunststoffgips für 6 Wochen notwendig werden. Auf den Röntgenbildern sind schwere neurologisch bedingte Großzehendeformitäten zu sehen. Solche Veränderungen können aber auch durch den Alterungsprozess des Fußes entstehen. 

Hallux valgus nachher
Hallux valgus vorher
Hallux valgus nachher

 

Plattfuß-Korrekturen (Stopschraube n. Pirani und Op. n. Grice-Green)

Bei den Plattfußveränderungen (Pes planovalgus) ist das Längsgewölbe flach (Senkfuß) und die Verse kippt nach innen (Knickfuß/Valgus). Liegt der Veränderung keine neurologische Komponente (z.B. ICP) zu Grunde, so kann neben Einlagen mit ca. 10 Jahren eine recht einfache aber sehr effektive Operation durchgeführt werden. Eine Schraube wird in den sogenannten Sinus tarsi gesetzt, so dass die Verkippung der Ferse nicht mehr möglich ist. Die Nachbehandlung ist frühfunktionell, also mit sofortiger Vollbelastung unter krankengymnastischer Anleitung. Im pubertären Wachstumsschub korrigieren sich dann die Knochenformen entsprechend, so dass die Schraube nach Wachstumsabschluss (im Alter von 15–17 Jahren) wieder entfernt werden kann.

Liegt eine ausgeprägter Plattfuß vor oder besteht eine neurologische Komponente (z.B. ICP), so kann die Verkippung der Verse auch dauerhaft durch einen Knochenblock verhindert werden. Der Knochenblock wird aus dem Beckenkamm entnommen und wächst in den Sinus tarsi fest ein (Operation nach Grice-Green). Die Nachbehandlung besteht aus einem Unterschenkelkunststoffgips für 3 Monate.

Wadenmuskelverlängerung

Bei vielen Bewegungsstörungen entwickelt sich ein Spitzfuß. Dies bedeutet, dass im Stand gerade noch ein 90°-Winkel zwischen Fuß und Unterschenkel mehr erreichbar ist. Eine Fußhebung ist nicht mehr möglich, was ein regelrechtes Abrollen in der Standbeinphase verhindert. Der Spitzfuß kann so stark werden, dass ein Gehen nur noch auf dem Vorfuß, den Zehen, möglich ist. Dadurch ist die Standfläche deutlich verkleinert und das Stehen unkomfortabel, instabil und unsicher.

So lange bei gestrecktem Kniegelenk noch ein 90°-Winkel zwischen Fuß und Unterschenkel möglich ist, sollte ein Muskelverlängerung nach Strayer oder Baumann durchgeführt werden. Dabei werden entweder nur die einstrahlenden Achillessehnenfasern in den M. gastrocnemius (Strayer) oder auch in den M. soleus (Baumann) minimalinvasiv durchtrennt. Die Achillessehne selbst bleibt dabei unangetastet. Auch werden die Muskeln bei dem Eingriff nicht verletzt. Die Wadenmuskulatur bleibt stark. Man spricht dabei auch von einer sogenannten aponeurotischen Sehnenverlängerung.

Die Nachbehandlung besteht aus einem Unterschenkelkunststoffgips für 3 Tage mit Anlage einer Oberschenkel-Klett-Schiene nachts im Liegen.

 

Achillessehnenverlängerung

Ist es nicht mehr möglich, bei gestrecktem Kniegelenk einen 90°-Winkel zwischen Fuß und Unterschenkel zu erreichen, so muss eine Achillessehnenverlängerung durchgeführt werden. Soweit sollte es heute nicht mehr kommen. Dabei wird die Sehne hälftig geteilt, auf die gewünschte Länge verschoben und anschließend wieder vernäht. Man spricht von einer sogenannten z-förmigen Sehnenverlängerung. Dabei wird die Wadenmuskulatur geschwächt, was im Falle eine Muskelimbalance aufgrund einer hirnbedingten Bewegungsstörung erwünscht sein kann.

Die Nachbehandlung wird durch einen Unterschenkelkunststoffgips für 4 Wochen gesichert. Nachts wird eine Oberschenkel-Klett-Schiene angelegt.

 

Kniebeugesehnenverlängerung

Durch Spastik entsteht häufig eine Verkürzung der Kniebeugesehnen. Dadurch ist Stehen mit vollständig gestreckten Kniegelenken nicht mehr möglich. Zusätzlich ist meist eine Verkürzung der Hüftbeuger vorhanden. In der Folge kommt es häufig zu einer Verkürzung der Oberschenkelmuskulatur (M. quadriceps) mit einem Kniescheibenhochstand (Patella alta). Das Stehen und Gehen wird immer anstrengender. Um nicht die Steh- und Gehfähigkeit zu verlieren, sollten frühzeitig die Kniebeugesehnen minimalinvasiv verlängert werden. Wird zu lange gewartet, kann eine vollständige Streckung mit einer Operation nicht erreicht werden. Durch eine Operation kann die Streckfähigkeit um bis zu ca. 40° verbessert werden. Limitierend sind Gefäße und Nerven, die sich ebenfalls verkürzen und nicht verlängert werden können.

Die Nachbehandlung besteht aus einer maximal 2-wöchigen Anlage eines Oberschenkelkunststoffgips mit anschließender nächtlicher Behandlung durch Oberschenkel-Klett-Schiene oder dynamischen Oberschenkel-Orthesen.

  

Kniescheibeneinrenkung

Grundsätzlich wird zwischen

  1. einmalig unfallbedingten (traumatischen)
  2. gewohnheitsmäßigen (habituellen) und
  3. neurogenen Kniescheibenausrenkungen (Patellaluxationen) unterschieden.

Die Ausrenkungen finden fast ausnahmslos nach außen statt.

1. Bei den unfallbedingten Kniescheibenausrenkungen müssen eventuelle Schäden operativ behoben werden. Es kann überwiegend mit frühfunktioneller Krankengymnastik behandelt werden. Die Prognose ist gut.

 

Zu 2. und 3. wird unter Problemfälle [Info] berichtet.

X- und O-Beinkorrekturen im Wachstum

Diese Operationen sind klein und sehr effektiv. X- oder O-Beine sind funktionell einschränkend, können auf Dauer zu Beschwerden in den Kniegelenken führen und sind kosmetisch ungünstig. Im Wachstum ist ein kleiner Eingriff möglich. Nach Abschluss des Wachstums müsste eine aufwendige Umstellung durchgeführt werden. Das Prinzip der Operation ist, dass die entsprechenden Wachstumsfugen so reguliert werden, dass eine Beinachse sich ausgraden kann. Das Längenwachstum der Knochen entsteht in Wachstumsfugen zu beiden Seiten der Knochen. Zum Abschluss des Wachstums verschließen sich diese Fugen und können nicht mehr genutzt werden. Zur Wachstumslenkung werden kleine Klammern (z.B. 8-Plates) um die entsprechenden Wachstumsfugen gesetzt, so dass nur die Gegenseiten weiterwachen können. Dadurch kommt es zur Korrektur.

Nach der Operation darf der Patient sofort wieder voll belasten.

Die Beispielröntgenaufnahmen zeigen X-Beine vor der Korrektur mit 8-Plates und nach der Behandlung mit ausgegradeten Beinachsen. Die 8-Plates können nun entfernt werden.

8-Plate femoral vorher
8-Plate femoral nachher


Hüftrekonstruktion bei Ausrenkung (Luxation) mit Umstellung (DVO) und Pfannendachrekonstruktion (AC-Plastik)

Hüftrekonstruktionen sind große Operationen, die viel Erfahrung bedürfen. Bei Säuglingen mit angeborenen Hüftluxationen/Hüftdysplasien werden sie inzwischen seltener durchgeführt, da die meisten Kinder rechtzeitig durch die routinemäßig durchgeführten Ultraschalluntersuchungen (in Deutschland) einer entsprechenden Behandlung mit Schienen zugeführt werden können.

Allerdings müssen bei vielen Kindern mit einer Bewegungsstörung (z.B. ICP) diese Operationen durchgeführt werden. Aufgrund der Muskelimbalace zwischen anspreizender (Adductoren) und abspreizender (Abductoren/Glutäalmuskulatur) Muskulatur wird der Kopf nicht im Zentrum der Pfanne fixiert, sondern wandert nach oben außen. Im Wachstum kommt es dadurch zu knöchernen Verformungen im Bereich des Schenkelhalses (Coxa valga et antetorta) und des Pfannendaches (Dysplasie) bis hin zur Ausrenkung des Kopfes aus der Pfanne (Luxation). Zum einen muss also der normale Schenkelhalswinkel (Varisierung) mit der richtigen Rotation (Derotation) wieder hergestellt werden. Zum anderen muss das Pfannendach wieder aufgebaut werden (Acetabuloplastik/AC-Plastik).

Die Nachbehandlung ist abhängig von dem Ausmaß der Bewegungsstörung des Patienten. Hat er eine sehr starke Spastik, so benötigt er eine Gipsruhigstellung über 6 Wochen. Ist er eher weniger aktiv oder kann gut bei der Nachbehandlung mitmachen, so braucht er keine Ruhigstellung, sondern gleich mobilisierende Krankengymnastik.

 

Die Beispielbilder zeigen eine zunehmende Auswanderung beider Hüftköpfe eines Mädchens im Alter von 9 Jahren. Gut sind auch die steilen Pfannendächer zu sehen. Es ist zu erwarten, dass beide Hüftköpfe im weiteren Verlauf vollständig ausrenken werden. Die Schenkelhälse wurden mit einer winkelstabilen Platte umgestellt (DVO) und die Pfannen wurden mit Knochen aus den Schenkelhälsen wieder rekonstruiert (AC-Plastik).

DVO Synthes vorher
DVO Synthes nachher


Hüftkopf-Verschraubung bein Hüftkopfgleiten (Epiphyseolysis capitis femoris / ECF)

In der Puperbät kann es bei manchen Jugendlichen dazu kommen, dass die Hüftkopfkappe in der Wachstumsfuge vom Schenkelhals abrutscht. Wenn der Kopf nicht wieder vollständig reponiert wird, so kann es zu einen zu einer Durchblutungsstörung mit Abbau des Kopfes kommen. Zum anderen kann eine Fehlstellung resultieren, die später zu Beschwerden führen kann. Ziel der Operation ist also die vollständige Wiederherstellung der normalen Anatomie (Reposition) und die Verhinderung eines erneuten Abgleitens. Da in bis zu 30% die zweite Seite auch abrutschen wird, muss sie bei der Operation gleich mitfixiert werden.

Erfahrenen Operateuren ist es möglich, die Reposition und die Fixierung minimalinvasiv durch eine Hohlschraube durchzuführen. Die Nachbehandlung erfolgt durch Entlastung mit Unterarmgehstützen für 6 Wochen. 

Die Beispielbilder zeigen einen Hüftkopfgleiten mit einem Abrutschwinkel von 50°. In der normalen Beckenübersichtsaufnahme ist diese Verletzung häufig nur sehr schlecht zu sehen. Die geschlossene Operation mit minimalinvasiver Fixierung durch Hohlschrauben führte zur vollständigen Ausheilung. Die Schrauben wurden nach Wachstumsabschluß (geschlossene Wachstumsfugen) wieder komplikationslos entfernt.

ECF vorher
ECF vorher
ECF nachher
 

Informationen

Dr. med. Volker Diedrichs

Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
Spezielle orthopädische Chirurgie,
Kinderorthopädie, Neuroorthopädie,
Technische Orthopädie,
Manuelle Medizin
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